EU Omnibus: Was Unternehmen jetzt tun sollten

March 28, 2025
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Elena Welsch

Die Omnibus-Verordnung verschiebt CSRD-Pflichten – doch nachhaltiges Handeln bleibt entscheidend. Wer jetzt aufhört, ESG strukturiert anzugehen, riskiert Wettbewerbsnachteile und verpasst strategische Chancen. Was jetzt zu tun ist.

CSRD, ESG & die Omnibus-Verordnung: Der Status Quo

Mit ihrem Entwurf der Omnibus-Verordnung vom 26. Februar 2025 schlägt die EU-Kommission vor, den Anwendungsbereich und Zeitplan der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) anzupassen: Nicht alle Unternehmen müssten demnach sofort nach den neuen Standards berichten. Viele Unternehmen, die ursprünglich ab 2026 betroffen waren, hätten dem Vorschlag entsprechend bis 2028 Zeit – oder würden ganz aus der Pflicht fallen.

Was auf den ersten Blick wie eine administrative Entlastung klingt, wirft in der Praxis neue Fragen auf:

  • Was bedeutet das konkret für unsere ESG-Strategie?
  • Lohnt sich ein Einstieg überhaupt noch – oder ist es sinnvoll zu warten?

Doch Vorsicht: Wer jetzt aufschiebt, verschenkt Chancen – und läuft Gefahr, indirekt betroffen zu sein und es zu spät zu merken. Denn: ESG-Anforderungen verschwinden nicht. Sie verlagern sich.

ESG zahlt sich aus – auch ohne Pflicht

Von links nach rechts stapeln sich nach Größe Münzstapel, aus denen oben eine kleine Pflanze wächsth

Unabhängig vom regulatorischen Rahmen gewinnen die Themen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) in nahezu allen Geschäftsbeziehungen an Bedeutung. Unternehmen stehen heute unter Beobachtung – nicht nur durch Aufsichtsbehörden, sondern durch eine Vielzahl an Stakeholdern, die gezielt nach ESG-Kriterien fragen:

  • Kundinnen & Kunden: Welche Standards gelten in der Produktion und Lieferkette? Gibt es Transparenz zu Herkunft und Umweltauswirkung?
  • Bewerbende: Wofür steht das Unternehmen gesellschaftlich? Wie ernst wird Klimaschutz, Diversität oder Gleichstellung genommen?
  • Investoren und Kapitalgeber: Welche ESG-Risiken bestehen? Gibt es messbare Fortschritte bei CO₂-Reduktion oder Governance?
  • Banken und Fördergeber: Wie belastbar ist das Geschäftsmodell angesichts regulatorischer und klimabedingter Veränderungen?

Diese Anforderungen betreffen auch Unternehmen, die nicht direkt der CSRD unterliegen. Der Grund: der Trickle-Down-Effekt.

Was ist der Trickle-Down-Effekt?

Der Trickle-Down-Effekt beschreibt die Weitergabe regulatorischer Anforderungen entlang der Lieferkette. Große Unternehmen, die nach CSRD berichten müssen, sind verpflichtet, ESG-Daten auch von ihren Partnern und Zulieferern zu erfassen.

Konkret bedeutet das:

  • Produzenten werden nach CO₂-Emissionen, fairen Löhnen und Energieverbrauch gefragt.
  • Dienstleister müssen Angaben zu Diversity, Arbeitsbedingungen und Governance machen.
  • Händler benötigen Nachweise über soziale und ökologische Standards in der Lieferkette.

Wer diese Informationen nicht vorbereitet hat, sobald die Anfrage kommt, wird bei Ausschreibungen oder Lieferantenaudits womöglich nicht mehr berücksichtigt. ESG wird damit zum strategischen Wettbewerbsfaktor – unabhängig von einer formalen Berichtspflicht.

CSRD aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Die Omnibus-Verordnung verschiebt Fristen, nicht die Richtung. Unternehmen, die jetzt mit ESG beginnen, profitieren auf mehreren Ebenen:

  • Frühzeitige Strukturen sparen Ressourcen: Wer jetzt systematisch vorgeht, muss später nicht unter Zeitdruck reagieren.
  • ESG-Maßnahmen wirken auch ohne Bericht: CO₂-Reduktion, Lieferantenscreenings oder soziale Standards stärken das operative Geschäft, reduzieren Risiken und führen zu Kosteneinsparungen.
  • Glaubwürdige Kommunikation schafft Vertrauen: Unternehmen mit klarer ESG-Strategie punkten bei Ausschreibungen, Finanzierungen und im Employer Branding.

Welche Schritte Unternehmen jetzt realisieren sollten

Auch wenn die Omnibus-Verordnung vielen Unternehmen mehr Zeit für die verpflichtende CSRD-Berichterstattung einräumt oder die Pflicht ganz entfällt, ist jetzt der richtige Moment, um sich strategisch aufzustellen. Denn wer heute ESG-Strukturen schafft, profitiert schon morgen von klaren Prozessen, geringeren Risiken und einem nachhaltigen Vertrauensvorschuss bei allen Stakeholdern. Die folgenden vier Schritte bieten einen praxisnahen Fahrplan.

1. Vereinfachte doppelte Wesentlichkeit umsetzen

Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse ist das Herzstück jeder nachhaltigen Unternehmensstrategie – und zentraler Bestandteil der CSRD. Sie bewertet, welche ESG-Themen einerseits finanziell wesentlich für das Unternehmen sind (Outside-In-Perspektive), und andererseits, welche Auswirkungen das Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft hat (Inside-Out-Perspektive).

Grafik zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse

Auch für Unternehmen, die (noch) nicht CSRD-pflichtig sind, ist eine vereinfachte Form dieser Analyse sinnvoll: Sie hilft dabei, den ESG-Fokus zu schärfen, Risiken zu erkennen, Chancen zu identifizieren und priorisierte Handlungsfelder festzulegen. Damit entsteht eine belastbare Grundlage für die ESG-Strategie.

Laut der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) kann die Wesentlichkeitsanalyse je nach Unternehmensgröße, Branche und Komplexität angepasst werden.

Vorteile:

  • Klarheit über relevante ESG-Themen für das eigene Geschäftsmodell
  • Fokussierung auf tatsächlich wirksame Maßnahmen
  • Frühzeitiger Aufbau einer fundierten ESG-Strategie
  • Grundlage für die Erfüllung kommender Berichtsanforderungen (z. B. CSRD oder VSME)

2. Automatisierte, standardgerechte ESG-Datenerfassung aufbauen

Nach der Analyse folgt die strukturierte Erfassung der ESG-Daten – fokussiert auf die Themen, die tatsächlich wesentlich sind. Wichtig ist: Es sollen nicht möglichst viele, sondern die richtigen Daten erhoben werden. Dabei gilt es, sich am jeweils anzuwendenden Standard zu orientieren:

  • Unternehmen, die unter den VSME-Standard fallen, können auf eine vereinfachte Berichtsstruktur zurückgreifen.
  • Unternehmen mit CSRD-Bezug sollten sich an den ESRS (European Sustainability Reporting Standards) orientieren.

Ein zentrales Element ist die CO₂-Bilanz: Sie bildet die Grundlage für Klimastrategien, Dekarbonisierungsmaßnahmen und Investitionsentscheidungen – und ist ein immer häufiger angefragter KPI von Banken, Geschäftspartnern und öffentlichen Auftraggebern.

Vorteile:

  • Verlässliche Datenbasis für ESG-Planung und -Kommunikation
  • Reduktion manueller Aufwände durch Automatisierung
  • Standardkonformität und Anschlussfähigkeit an Berichtsformate

3. ESG-Maßnahmen mit Wirkung ableiten

Sind die wesentlichen Themen identifiziert und relevante Daten erhoben, können konkrete ESG-Maßnahmen entwickelt werden. Entscheidend ist, dass diese strategisch ausgerichtet sind und nachhaltige Wirkung entfalten – operativ wie kommunikativ.

Basierend auf der CO₂-Bilanz lassen sich z. B.:

  • ein realistischer Reduktionspfad bis 2030 oder 2050 formulieren,
  • Dekarbonisierungsmaßnahmen priorisieren (z. B. Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität, Einkaufskriterien),
  • und messbare Ziele zur sozialen und governance-bezogenen Weiterentwicklung festlegen.

Vorteile:

  • ESG als Teil der Unternehmensentwicklung, nicht als isoliertes Projekt
  • Synergien zwischen Nachhaltigkeit und Effizienz (z. B. Energieeinsparungen)
  • Vorbereitung auf regulatorische Anforderungen wie EU-Taxonomie oder SBTi

4. Impact sichtbar machen – für Stakeholder und Markt

Nachhaltigkeit wird nur dann zum Wettbewerbsvorteil, wenn sie auch sichtbar ist. Banken, Investoren und Geschäftspartner können ESG-Leistungen nur bewerten, wenn sie nachvollziehbar kommuniziert werden – sei es in ESG-Berichten wie VSME oder CSRD, auf der Website, Social Media oder weiteren Plattformen. Erst durch diese Sichtbarkeit entsteht der gewünschte Effekt: Vertrauen, Zugang zu Kapital, bessere Marktposition.

Vorteile:

  • Höhere Sichtbarkeit und Reputation im Markt 
  • Bessere Positionierung bei Ausschreibungen und Finanzierungen 
  • Stärkung der Arbeitgebermarke und Mitarbeitendenbindung 

Mit Planted setzen Sie ESG pragmatisch um

Mockup der ESG-Software von Planted

Planted unterstützt Unternehmen jeder Größe dabei, ESG-Anforderungen strukturiert und zukunftssicher umzusetzen. Unsere Plattform verbindet fundierte Beratung mit intelligenter Software, die Unternehmen bei jedem Schritt ihrer ESG-Strategie unterstützt.

  • Strategischer Einstieg: Wir begleiten dabei, relevante Themen für Ihr Unternehmen im Rahmen einer vereinfachten doppelten Wesentlichkeitsanalyse zu identifizieren. Zusätzlich dazu erhalten Sie ein per KI vorgeschlagenes Set an Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs) - branchenspezifisch auf Ihr Unternehmen zugeschnitten. Auf deren Grundlage können Sie Ihre gesamte ESG-Strategie aufbauen.

  • Automatisierte Datenerfassung: ESG-Daten werden gezielt für VSME oder ESRS integriert, geprüft und auswertbar gemacht – mit Schnittstellen zu bestehenden Systemen. Der Fokus liegt allein auf den relevanten Datenpunkten.

  • Maßnahmen mit Wirkung: Auf Basis der Analyse ermittelt die Planted KI konkrete ESG-Maßnahmen – priorisiert nach Einfluss, Umsetzbarkeit und strategischer Relevanz, aber auch mit Blick auf den von Ihrem Unternehmen gewünschten Return on Investment (ROI). Diese können Sie teamübergreifend mit Ihren Mitarbeitenden umsetzen und das Unternehmen von innen heraus transformieren.

  • Kommunikation mit Substanz: Fortschritte werden nachvollziehbar als VSME- oder CSRD Bericht dokumentiert. Ihre persönliche Impact-Page zeigt außerdem das gesamte Engagement Ihres Unternehmens und kann an Stakeholder kommuniziert werden.

Ob freiwilliger Einstieg oder Vorbereitung auf die Berichtspflicht: Planted macht ESG für Unternehmen planbar, effizient und anschlussfähig. Starten Sie jetzt und positionieren Sie Ihr Unternehmen als Wettbewerbsvorreiter. Jetzt kostenlosen Beratungstermin buchen.

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